| Bali Reise 2009 - Ein Reisebericht |
|
|
| Geschrieben von: Robert Schmidt |
| Montag, den 17. Mai 2010 um 16:22 Uhr |
|
Die begann gut zwei Wochen zuvor im herbstlichen Leipzig. Mit dem ICE nach Berlin, mit dem Flieger via Doha und Kuala Lumpur nach Denpasar. Und die 18 Stunden reine Flugzeit gingen wider Erwarten recht flott und auch ziemlich bequem rum – Qatar Airways ist nicht zwingend das Schlechteste, was am Himmel unterwegs ist. Die Einreise in Denpasar lief erfreulich unproblematisch und ganz in Ruhe – kein Vergleich mit der Hektik ägyptischer Lufthaltepunkte. Ohne große Schwierigkeiten fanden wir den Verantwortlichen von Roger Tours / ENA Divers, und mit dem klimatisierten Minibus ging es nach Sanur ins Tauchoffice. Hier der erste Hänger bei den meisten Reisenden – denn gleich ging es darum, das komplette Tauchgerödel auszupacken und in Kisten umzulagern – nach mehr als 24 Stunden auf den Beinen war das nicht unbedingt etwas, was jedem das Herz höher schlagen ließ. Doch es hatte auch den riesigen Vorteil, dass wir uns ab diesem Moment nicht mehr um die Ausrüstung kümmern mussten – das erledigten in den kommenden zwei Wochen sozusagen balinesische Heinzelmännchen. Mit zusammengebissenen Zähnen starteten wir schließlich auf die letzte rund zweistündige Etappe unserer Anreise – nach Tulamben ins Emerald Resort Tulamben an der Nordost-Küste der Insel. Noch ein Häppchen gegessen – und wie tot ins Bett gefallen. Am nächsten Morgen wurden wir mit einem Traumausblick über die Bucht auf das Meer belohnt – was für eine Kulisse! Doch viel Zeit, das Ganze zu genießen, blieb nicht: Pünktlich waren die ENA-Divers-Minibusse da, und es ging ab zum Tauchen. Es folgten zwei Tauchtage vom ziemlich steinigen Strand in Tulamben – inklusive eines gut zu betauchenden Wracks unmittelbar in Ufernähe. Die USAT Liberty war ein leicht bewaffneter Truppentransporter, der im Zweiten Weltkrieg von den Japanern torpediert wurde, vor Tulamben auf Grund lief und schließlich sank. Inzwischen ist das Wrack nett zugewachsen und wird von massig Fisch in allen Größen und Farben bewohnt – da wird schon was geboten fürs Auge! Und: Wir mussten wirklich bloß an den Strand kommen – dort lag die Ausrüstung griffbereit und zusammengeschraubt da. Reinschlüpfen und ab dafür! Nach zwei netten Tauchtagen hieß es Abschied nehmen von Tulamben und Transfer nach Pemuteran. Mit dem Bus ging es immer an der Nordküste der Insel entlang – mit einem einheimischen Guide, der ein erstaunlich gutes Deutsch sprach – angeeignet mehr oder weniger autodidaktisch mittels Internet, Satellitenfernsehen sowie deutschen Zeitungen und Zeitschriften. Das hatte den großen Vorteil, dass wir so eine Menge über Land und Leute erfuhren und auch der eine oder andere Geheimtipp, der „normalen“ Touristen vielleicht vorenthalten bleibt, für uns „sichtbar“ wurde. Und mitunter hatten die Erklärungen sogar was richtig Rührendes, weil der Guide froh war, mal wieder deutsch reden zu können – und schon bei der morgendlichen Begrüßung sein komplettes Vokabular runterspulte, was denn so alles auf dem Frühstücksbüfett angeboten worden sei. Alles in allem aber ein ganz lieber Kerl, der seinen Job vorzüglich erledigte und uns nicht nur jede Menge Tempel zeigte, sondern auch in praktischen Fragen immer mit Rat und Tat zur Seite stand! In Pemuteran nahmen wir Quartier im Aneka Bagus – wie schon zuvor in Tulamben waren wir hier nahezu die einzigen Gäste. Das Hotel war vom Allerfeinsten – geräumige Bungalows mit breitem Himmelbett und Freiluft-Dusche. Dazu ein phantastischer Blick aufs Meer – vom Rand des Swimming Pools aus! Die kommenden beiden Tage hieß es wieder „Gehn wir tauchen!“ Mit einem Boot ging es fast bis nach Java rüber – im Naturschutzgebiet Menjangan am nordwestlichen Zipfel Balis gab es fantastische Einblicke in die Unterwasserwelt – mit tollen, größtenteils intakten Riffen und jeder Menge Fisch – von kleinen Schwärmen bis zu großen Napoleons. Die Zahl der Taucher hielt sich an diesen Spots sehr in Grenzen – kein Vergleich mit der Neopren-Rush-Hour, die man von diversen Ägypten-Urlauben kennt. Die Mittagspause wurde unter gleißender Sonne an einem Strand verbracht, nach der Rückkehr lockte (mindestens) ein kühles Deko-Bier aus dem Hause Bintang – zu deutsch „Bin tanken“. Und abends saß man gemütlich am Strand und guckte aufs Meer. Schließlich der Transfer ins Landesinnere – nach Ubud. Durch üppige Vegetation – Bananenstauden stehen hier am Straßenrand wie bei uns die Apfelbäume – vorbei an Nelken- und Kakaoplantagen und Reisterrassen ging es in die Künstler-Hochburg Balis. Hier gab es mit dem Cendana Resort wieder ein feines Hotel – mitten im Ort. Zwei Übernachtungen hier, dazu ein wundervoller Tag mit einem atemberaubenden Zehn-Kilometer-Rafting durch eine Urwaldschlucht – dagegen ist die Anlage am Markkleeberger See eher ein Kindergeburtstag – sowie das quirlige Leben von Ubud ließen den Trip ins Landesinnere zur willkommenen Abwechslung werden, ohne dass das Tauchen groß vermisst wurde. Und beim letzten Transfer von Ubud nach Sanur kamen wir zudem direkt in die Werkstätten balinesischer Kunsthandwerker wie Holzschnitzer, Maler, Bildhauer und Silberschmiede. Das war durchaus eindrucksvoll, und die eine oder andere Rupie wechselte hier den Besitzer. In Sanur schließlich hatten wir den Schlusspunkt unserer Rundreise erreicht. Hier im Süden der Insel ist der Tourismus stark entwickelt – jede Menge Australier vermitteln den Eindruck, dass Bali für sie das ist, was Mallorca für die Deutschen bedeutet: Die Ferieninsel Nummer eins zu sein. Auch wenn das Hotel nicht ganz an die anderen heranreichte und es – vor allem bei Ebbe – zum Badevergnügen im Meer ziemlich weit war, gab es hier jede Menge zu entdecken an Läden und Restaurants. Und zwei Speed-Boote brachten uns rüber zur Insel Nusa Penida, wo uns bei mitunter ziemlich starker Strömung wieder jede Menge Korallen, Kleinfisch-Schwärme, Nacktschnecken und anderes Meeresgetier vor die Masken und die Kamera-Objektive kam. Sogar in eine Höhle konnte getaucht werden, die nur zum Teil geflutet war – nach dem Auftauchen machten tausende Fledermäuse einen Heidenlärm. Als besonderes Bonbon – allerdings gegen Aufpreis – organisierte das Ena Dive Center zudem noch eine Tagestour zu einer Art Delfinarium mitten im Meer. Und das war schon ein Erlebnis, mal einen Delfin hochheben zu können oder einfach nur zu streicheln – unglaublich, was diese Tiere für eine zarte glatte und doch feste Haut haben. Und so endete die Tour dann doch noch mit einem tierischen Höhepunkt. Und ganz im Ernst: Nach einem derart toll organisierten Urlaub hält sich der Groll darüber, dass der einzige Manta weit und breit sehr schnell wieder weg war, dann doch in Grenzen. Robert Schmidt |

